Asanda Dyani – Wenn der Traum vom Profifußball wahr wird

Als der heutige Flügelstürmer damals als 12-Jähriger zu Young Bafana kam, wurden die vielen Kilometer zum Trainingsplatz noch zu Fuß absolviert, trainiert wurde im ersten Jahr ohne Schuhe.

Der Beginn eines Aufstiegs, von den Straßen im Township bis hoch in den Profifußball.

Mit einer Körpergröße unterhalb der 1,70cm ist Zuka ein eher kleiner und schmächtiger Spieler. Doch als er 2012 zum Probetraining erscheint, glänzt sein Talent auf. Es sind die technischen Fähigkeiten und seine Schnelligkeit, gepaart mit seiner Spielintelligenz, mit denen er sich in den Fokus der Trainer spielt. Er wird Teil der ersten Young Bafana Leistungsmannschaft, welche in drei aufeinander folgenden Jahren bis in Kapstadt’s höchste Jugendliga aufsteigen wird. Des Weiteren erreicht Zuka mit seinem Team das Finale des Coke Cups 2017, Südafrikas größtes Amateur Turnier.

„Zuka“ (Kurzform der Waffe Bazuka) ist von Anfang an kein Spieler, der viel spricht oder sich selber in den Vordergrund stellt. Er wirkt oft vertieft in seine eigenen Gedanken, des Öfteren etwas isoliert, aber nie unbeliebt in der Mannschaft. Während andere Mitspieler sofort nach dem Training den Fokus auf Ihre Freizeit richten, wirkt Zuka dennoch fokussiert auf Fußball und nachdenklich über seine Leistung.

Auf dem Platz sticht er stetig als einer der wachsamsten und kommunikativsten Spieler hervor. Er verhält sich in seiner Zeit bei Young Bafana immer vorbildlich und zeigt sich äußerst respektvoll gegenüber den Trainern.

Um sich fit zu halten, geht er zusätzlich neben dem Fußball Training circa drei Mal pro Woche morgens um 5 Uhr vor der Schule für zwei Stunden joggen.

Im Vergleich zu seinen Mitspielern, die ebenfalls mit Ihren Familien im Lwandle Township leben, ist Zuka eines der Kinder, die es besonders schwer haben. Mit seiner alleinerziehenden Mutter und fünf weiteren Personen lebt seine Familie in einer kleinen Wellblechhütte, nur ein paar Meter entfernt von der befahrenen Hauptstraße. Die Mutter kümmert sich 24/7 um die Familie, der Vater lebt weit entfernt in einer anderen Provinz Südafrikas.

Ein prägendes und erschütterndes Erlebnis in seinem Leben, findet am 16. Dezember 2015 statt, als er von drei kriminellen Jugendlichen auf offener Straße überfallen wird, nachdem er Geld für seine Familie an einem Bankautomaten abgehoben hat. Einer der Gangster bewaffnete sich dabei mit einer abgebrochenen Glasflasche. Er sticht zu, mitten in Zukas Gesicht. Die Wunde muss mit 24 Stichen genäht werden. Die Flasche verfehlt sein linkes Auge nur um wenige Zentimeter. Die Nabe wird sein Gesicht für immer zeichnen.

Trainer aus der Zeit berichten, dass man ihm den Schock lange Zeit angemerkt hat, dass Zuka aber immer die oberste Priorität verfolgt habe, so schnell wie möglich auf den Platz zurückzukehren. Ein wesentlicher Grund dafür ist nicht einzig und allein sein Spaß am Fußball – für viele junge Spieler die einzige Abwechslung zum Township Alltag – vielmehr geht es darum seiner gesamten Familie in finanzieller Hinsicht ein besseres Leben zu ermöglichen.

Was folgt ist nahezu unglaublich. Zuka schafft es nicht nur den Überfall zu verarbeiten, er schießt außerordentliche 35 Tore für Young Bafana in der darauffolgenden Saison.

Wie ein Traum in Erfüllung ging: Asanda Dyana bei den Kaizer Chiefs

Auf die Frage nach seinem großen Traum, antwortet er mit: „Ich will eines Tages für die Kaizer Chiefs spielen!“. Die Kaizer Chiefs (16 Mio. Mitglieder) sind in Deutschland mit dem FC Bayern gleichzusetzten. Nachdem Young Bafana Gründer Bernd Steinhage den richtigen Zeitpunkt abwartet und schließlich Kontakt zur Geschäftsführung der Kaizer Chiefs aufnimmt, um ein Probetraining zu vereinbaren, macht er sich gemeinsam mit Zuka auf den Weg nach Johannesburg. Vorangegangen war eine erfolgreiche Spendenaktion, um Geld für die anfallenden Reisekosten zu sammeln.

Der Cheftrainer der Kaizer Chiefs U-23 Mannschaft ist sofort angetan und bekundete sein Interesse bereits nach dem ersten Probetraining. Die Zusage für einen Platz in der Mannschaft lässt nicht lange auf sich warten.Allerdings wird Zuka zu Beginn seiner Zeit bei den Kaizer Chiefs auf eine schwere Probe gestellt. Das hat vor allem mit dem Umzug von Kapstadt nach Johannesburg zu tun. Ihm wird zwar ein Platz im Internat in Aussicht gestellt, dies allerdings erst nach Ablauf der ersten zwei Monate, weil bis dahin alle Zimmer belegt sind. Als Übergangslösung wohnt Zuka bei einem Cousin, der wiederum weit über 40km weg vom Trainingsgelände der Kaizer Chiefs wohnt. Mit viel Mühe und einem finanziellen extra Zuschuss von Young Bafana, nimmt er die Strecke je morgens und abends auf sich. Zu dem Zeitpunkt ist Zuka 18 Jahre alt – vor und nach dem Training bewegt er sich alleine durch eine der gefährlichsten Städte weltweit.

Bei den Kaizer Chiefs stellt er von Beginn an sein Talent unter Beweis und das trotz erheblich größerer Konkurrenz auf dem Platz. Kurz vor Ende der Hinrunde (Stand Februar 2018) führt Zuka mit 6 erzielten Toren die Torjäger der U23 „Diski League“ an. Das öffentliche Interesse an der Diski Liga ist in Südafrika mittlerweile so groß geworden, dass die Spiele zur Prime Time im nationalen Fernsehen gezeigt werden. Ein TV Kommentator über Zuka: „Er ist immer da, immer präsent. Er macht die Tore, weil er immer zur richtigen Zeit die richtige Möglichkeit wittert.“

Zuka’s Weg zu seinem ersten Profivertra

Nach guter Leistung bei den Kaizer Chiefs, folgt im August 2018 dennoch die Kehrtwende. Zuka verabschiedet sich von seinem Traumverein in Johannesburg, um zurück nach Kapstadt zu kommen. Hier unterschreibt er beim Südafrikanischen Zweitligisten Ubuntu Cape Town FC seinen ersten Profivertrag. Ein weiterer Beweggrund seines Wechsels, Zuka lebt wieder näher an seiner Familie.

Die erste Saison beim neuen Verein nimmt dabei keinen guten Verlauf. Zuka erlebt sportlich schwierige Zeiten. Am Ende der Saison steigt das Team in die dritte Liga ab. Zeit für ein Tapetenwechsel. Wieder ist es sein ehemaliger Trainer und heutiger Agent Bernd Steinhage, dem es gelingt, Zuka in der zweiten Liga, bei den Free State Stars, unterzubringen. Dort erhält der Junge aus dem Lwandle Township eine zwei Jahres Vertrag bis 2021.

Dass der Spieler mit der Rückennummer 13 es bereits so weit geschafft hat, als Junge der aus ärmsten Verhältnissen kommt, ist als Ergebnis harter Arbeit und unbändigen Glaubens anzuerkennen und bereits jetzt eine Erfolgsgeschichte auf die Young Bafana als Ausbildungsverein und die Bewohner des Lwandle Townships sehr stolz ist.

Er sagt, dass sein größter Antrieb darin besteht, die Gewissheit zu haben, dass Gott an seiner Seite ist.

Sein Weg ist noch lange nicht zu Ende. Sein großer Traum: PSG.

Bonne chance, Zuka!

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